ELTE BTK Magyar Nyelvtudományi és Finnugor Intézet

Bauer, Veronika

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Bauer, Veronika (München)

Korpuslinguistik als Mittel zur Entwicklung semantischer Domänen
in den obugrischen Sprachen (pdf)

In meiner Dissertation beabsichtige ich, ein Korpus obugrischer Sprachen auf Kookkurrenzen und Kollokationen hin zu analysieren. Es wird angenommen, dass Wörter, die in ein und demselben Satz häufig miteinander auftreten; einen semantischen Cluster bilden und damit möglicherweise auf eine semantische Domäne hinweisen. Falls sich diese Annahme bewahrheiten sollte, soll dieser Umstand für den Entwurf eines onomasiologischen Wörterbuches genutzt werden, im Konkreten für einen zukünftigen Thesaurus obugrischer Sprachen.

Die zu erwartenden Ergebnisse in Form von statistischen Zahlen und Wortgruppen werden dahingehend untersucht, ob sie das Konzept untermauern, semantische Domänen anhand rein korpuslinguistischer Analyse zu benennen.

Die Notwendigkeit einer korpusbasierten Ausarbeitung semantischer Domänen ist der Situation geschuldet, dass Forscher bisweilen ihre persönliche Klassifizierung und Weltkonzeptualisierungen auf die Objektsprache übertragen. Da die semantischen Domänen einer Objektsprache und ihrer Metasprache/Bearbeitungssprache jedoch nicht notwendigerweise deckungsgleich sind, muss eine Methodik entwickelt werden um solche Interferenzen auszuschließen.

Zunächst plane ich, glossierte und übersetzte Korpustexte aus mindestens zwei obugrischen Sprachvarietäten zu analysieren, Nordmansisch (Wogulisch) und Kazym-Chantisch (Ostjakisch). Die Analyse zielt auf die quantitative Gruppierung von Wörtern ab hin zu vorläufigen semantischen Domänen ("pre-clusters"). Diese können in gewissem Sinne als ein neuer Ansatz der Gegenwart verstanden werden. Anschließend werden diese ersten Ergebnisse quantitativ kontrastiert mit 1) den Kookkurrenzen und Phrasen aus Beispielsätzen bereits existierender Wörterbucheinträge (z. B. Munkácsi & Kálmán 1986, DEWOS), sowie mit 2) Wortvariationsmustern aus Texten, die das typisch obugrische Stilmittel des Versparallelismus aufweisen (Steinitz e.a.1976, Schulze 1988). Diese beiden Quellen an Material zu Kontrastzwecken stellt die Vergangenheit dar, da sie als solche bereits existieren. Schließlich kann die Zukunft abgebildet werden in Form eines onomasiologischen Wörterbuches – eines elektronischen Thesaurus – für obugrische Sprachen, der die oben skizzierten Ergebnisse enthalten soll.